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Meister Grimbart lässt sich nur selten sehen (FP vom 25.06.10)
von Reiner Leonhardt am 27.06.2010 um 09:24
Bei uns zu Hause: Der Dachs ist Tier des Jahres 2010 - Der Nutzen des Allesfressers ist größer als der Schaden
Von Manfred Blechschmidt

Jedes Ding hat zwei Seiten, so sagen wenigstens die Leute. Mit dem Dachs (Meles meles), der von der "Schutzgemeinschaft Deutsches Wild" 2010 als Tier des Jahres gewählt wurde, ist das nicht anders. Die einen loben ihn, weil er sich als Fleischfresser die Schnecken schmecken lässt, die anderen mögen ihn nicht, da er Gelege ausnimmt, Jungvögel jagt, Frösche und Kröten. Jedoch sei ihm zu Ehren gesagt: Der Nutzen ist größer als der Schaden.
Er gehört zur Familie der Marder, der vielleicht zahlenmäßig größten und vielfältigsten Familie unter den heimischen Waldtieren. Sich den jeweiligen Gegebenheiten anpassend, ist er in ganz Europa anzutreffen, bei uns in Laub- und Mischwäldern. Jedoch Hand aufs Herz: Wer sah ihn schon in freier Wildbahn? Der Dachs ist scheu und die meiste Zeit seines Lebens im eigenen Bau. Die meisten kennen ihn von Abbildungen oder ausgestopft. Auf alle Fälle kennt ihn jeder als "Meister Grimbart" aus dem Märchenbuch. Auch deshalb sehen wir ihn selten: Der Dachs ist nachtaktiv.
Wenn er auch als Fleischfresser gilt, so hat er sich längst seiner Umwelt angepasst und wurde entsprechend der Jahreszeit und der Verfügbarkeit zum Allesfresser. Die Grundlage seiner Ernährung sind Regenwürmer, Larven, Insekten, Echsen, Kleinsäuger und Mäuse, Eicheln, Pilze, Trauben, Kartoffeln, Beeren und eben auch Vögel und ihre Eier. Der größte Teil der Nahrung sind Pflanzen.
Der Europäische Dachs, ein Waldmarder, wird bis zu 20 Kilogramm schwer, bis zu 90 Zentimeter lang, der Schwanz misst 12 bis 20 Zentimeter. Sein Kopf ist klein mit kleinen Ohren. Der Hals ist kurz und verbreitert sich zum Körper zu. Die kurzen Beine sind muskulös. Das weiße Gesicht und der untere Teil des Halses sind mit einem schwarzen Streifen versehen. Seine großen Eckzähne dienen ihm auch als Waffe. Grimbart sieht schlecht, hört gut und verfügt über einen gut entwickelten Geruchssinn. Von der Drüsentasche zwischen Pürzel und Waidloch geht ein übler Geruch aus.
Der Dachs tritt mit der vollen Sohle seiner kralligen Füße auf. Dadurch watschelt er mehr als er geht. Die fünf langen Zehen dienen ihm zum Graben seiner Gänge.
Sein eigentümlicher viel verzweigter Bau, den er selbst gräbt, besteht aus einem Labyrinth von Röhren und entspricht ganz seiner Lebensweise. In der Regel bewohnt er ihn allein. Hat sich allerdings ein Dachspaar gefunden, bleibt es ihr Leben lang beieinander. Treibt der Schnee durch die Wälder und bringt die große Kälte, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass sich zwei, drei Dachse einen Bau teilen. Sein Nest polstert er mit trockenem Gras und Moos aus. Sprichwörtlich ist seine Sauberkeit. Er nutzt einen Gang, um dort seine Notdurft zu verrichten.
Der Dachs ist kein echter Winterschläfer. Nach dem ersten Frost, und dann bis etwa Mitte Februar hält er einen langen Ruheschlaf. Seine Körpertemperatur sinkt stark ab. In der Zeit zehrt er vom Fett unter seiner Schwarte.
Zwischen Juli/August hat er seine Ranzzeit. Nach sechs Monaten bringt dann die Dächsin drei bis fünf Junge zur Welt. Sie sind die ersten neun Tage blind. Bis zur nächsten Ranzzeit bleiben sie bei der Mutter.
Die Jäger klagen: Der Dachs sei schwer zu jagen. Um ihm habhaft zu werden, muss er ausgegraben oder durch einen Erdhund aus seinem Bau gejagt und im Netz gefangen werden.
Heute steht der Dachs unter Naturschutz. Gefährdet war er um 1970, wo durch die Tollwutbekämpfung Fuchsbaue begast wurden und mancher Dachs vernichtet wurde.
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