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"Den Ackervögeln geht es besonders dreckig". FP vom 18.06.2010
von Reiner Leonhardt am 18.06.2010 um 09:19


Die Letzten ihrer Art: Im Erzgebirge herrschen lebensfeindliche Bedingungen für den Kiebitz

Von Mike Baldauf


Annaberg. Im Erzgebirge ist der Kiebitz (Vanellus vanellus) als Brutvogel so gut wie verschwunden. Der Ornithologe und ehrenamtliche Naturschutzhelfer Rolf Giller spricht von einem lebensfeindlichen Umfeld, das die Art heute in der Region vorfindet. Sachsenweit gebe es höchstens noch 150 Brutpaare. Der Watvogel hatte sich zuletzt notgedrungen aufs Ackerland zurückgezogen, auf dem seine Aufzucht aber kaum eine Überlebenschance besitzt. Auf der Roten Liste Sachsens ist der Kiebitz als stark gefährdet eingestuft.
Giller: "Den Ackervögeln, wozu auch Feldlerche, Grauammer, Uferschnepfe und Rotschenkel gehören, geht es in Deutschland besonders dreckig." Schuld daran trägt die intensive Flächennutzung, sagt der Naturschützer. "Die Landwirtschaft ist für den Rückgang von 75 Prozent der Vogelarten verantwortlich."
Die Ironie der Geschichte: Gerade die Landwirtschaft hatte anfangs zu einer Artenfülle beigetragen. Rolf Giller nennt die Jahre 1830 bis 1850. Mit dem Auflichten von Wäldern und der extensiven Bewirtschaftung von Flächen - also der Landnutzung mit hohem Verbrauch an Fläche, aber geringem Eingriff - schufen Bauern damals neue Lebensräume für Arten, die gehölzarmes, weiträumiges Offenland, Feucht- und Nasswiesen bevorzugen. "Die Großtrappe - eine der schwersten flugfähigen Vögel der Welt - galt damals sogar zeitweise als Plage. Heute ist sie eine absolute Seltenheit", nennt der Ornithologe ein Beispiel.
Mit der in den 1850er-Jahren einsetzenden Industrialisierung der Landwirtschaft begannen sich die Lebensbedingungen dieser Arten zu verschlechtern. Giller spricht von einem großflächigen Zusammenbruch der Bestände. Später erholte sich der Kiebitz noch einmal; er hatte die Ackerfluren als Ersatzlebensraum angenommen. Damals galt das Tier als Kulturfolger, also als eine Art, die mit dem vom Menschen geschaffenen Umfeld zurechtkommt und sich anpassen kann. "Das sollte sich jedoch als Trugschluss erweisen", so Giller.
Mit der weiteren Intensivierung der Landwirtschaft in den 1980er-Jahren brachen die Brutbestände auf den Feldern zusammen, berichtet Giller. Faktoren wie Trockenlegung, Schädlingsbekämpfungsmittel- und Technikeinsatz, hochwachsende Kulturen (wie etwa Mais und Raps) trugen dazu bei.
Heute taucht der Kiebitz manchmal noch in großen Schwärmen im Erzgebirge auf. Allerdings ist er dann nur auf dem Durchzug in Richtung Süden.
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